24-Stunden-Pflege oder stundenweise Betreuung: Ihre Entscheidungshilfe
Wenn Senioren nicht mehr alleine wohnen können - Welche Lösung ist die beste?
Die Wahl zwischen 24-Stunden-Pflege und stundenweiser Betreuung ist eine der wichtigsten Entscheidungen für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen. Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Kosten und die Belastung der Familie.
In diesem Guide erfahren Sie praxisnah, wann welche Betreuungsform die richtige ist. Mit unserer Checkliste und den Expertentipps treffen Sie eine fundierte Entscheidung für Ihre individuelle Situation.
24-Stunden-Pflege: Ab wann unumgänglich?
Notwendig bei:
- Mittlere bis schwere Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad 3-5)
- Nächtlicher Betreuungsbedarf
- Sicherheitsrisiken und Sturzgefahr
- Fortgeschrittene Demenz
- Überlastung der Angehörigen
Klare Signale für 24h-Betreuung:
Sicherheit:
- Senior*in ist bereits gestürzt oder akute Sturzgefahr
- Vergessen von Herdplatten, offenen Türen
- Verwirrtheit führt zu gefährlichen Situationen
- Hinlauftendenz bei Demenz
Grundversorgung:
- Körperpflege nicht mehr selbständig möglich
- Medikamenteneinnahme vergessen/verwechselt
- Toilettengänge, besonders nachts, benötigen Hilfe
- Unregelmäßige oder unzureichende Nahrungs-/Flüssigkeitsaufnahme
Gesundheitszustand:
- Schwere chronische Krankheiten
- Zustand nach Krankenhausaufenthalten
- Kontinuierliche Überwachung nötig
Stundenweise Betreuung: Wann reicht das aus?
Geeignet bei:
- Leichte Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad 1-2)
- Grundsätzliche Selbständigkeit vorhanden
- Angehörige können einen Großteil übernehmen
- Klarer Tagesrhythmus und Orientierung
Typische Situationen für stundenweise Betreuung:
- Hilfe bei Haushaltstätigkeiten 2-4 Stunden täglich
- Begleitung zu Arztterminen
- Unterstützung bei Körperpflege morgens/abends
- Gesellschaft und Aktivierung
- Entlastung pflegender Angehöriger für einige Stunden
Ausreichend wenn:
- Die Person kann noch 6+ Stunden allein sein
- Nachts ist normalerweise keine Hilfe nötig
- Grundlegende Körperpflege klappt noch selbständig
- Angehörige können den Großteil übernehmen
- Es gibt einen stabilen Tagesrhythmus
- Keine akute Sturzgefahr oder Verwirrtheit
Kosten im Vergleich: Was kommt auf Sie zu?
Stundenweise Betreuung:
- Kosten pro Stunde: 25-40€
- Monatliche Kosten bei 4h täglich: 3.000-4.800€
- Zuschüsse: Entlastungsbetrag (125€), Pflegesachleistungen
24-Stunden-Pflege:
- Kosten pro Tag: 104 - 130€
- Osteuropäische Betreuungskräfte: 1.992-€/Monat (Eigenanteil bei Linara für Beispielrechnung Pflegegrad 4)
- Zuschüsse: Pflegegeld, Kombinationsleistungen, Verhinderungspflege
24-Stunden-Pflege plus ambulanten Pflegedienst
Annahmen:
- 24h-Betreuungskraft: Tagessatz 130 € → 30 Tage/Monat (Pflegegrad 4 bei Linara)
- Ambulanter Pflegedienst: Montag–Samstag (6 Tage/Woche) → ca. 26 Tage/Monat × 1h × 30 €/h
- Pflegegrad 4 Leistungen:
- Pflegesachleistungen: 1.778 €/Monat
- Entlastungsbetrag: 125 €/Monat
- Verhinderungspflege: bis 1.612 €/Jahr → ca. 134 €/Monat (wenn ausgeschöpft und monatlich umgelegt)
- Pflegegeld (bei Kombi möglich): 728 €/Monat (wird anteilig gekürzt, wenn Sachleistungen voll genutzt werden)
Kosten ohne Förderung
- 24h-Betreuung: 130 € × 30 = 3.900 €
- Ambulante Pflege: 26 × 30 € = 780 €
Gesamtkosten brutto = 4.680 €
Abzüge durch Leistungen
- Pflegesachleistungen (max. 1.778 €)
→ volle Anrechnung auf Betreuung + ambulante Pflege - Entlastungsbetrag 125 €
→ kann für Haushaltshilfen oder zusätzliche Betreuungsstunden genutzt werden - Verhinderungspflege 134 €
→ wenn ausgeschöpft und verteilt
Gesamtentlastung = 1.778 + 125 + 134 = 2.037 €
Eigenanteil
- Bruttokosten: 4.680 €
- Abzüge: 2.037 €
Netto-Eigenanteil = ca. 2.643 €/Monat
Kombinierte Betreuung: 24-Stunden-Pflege + stundenweise Betreuung
Wann ist eine Kombination sinnvoll?
Die kombinierte Lösung eignet sich bei:
- Spezialbetreuung erforderlich - medizinische Behandlungspflege notwendig
- Entlastung der 24h-Kraft - für freie Tage und Urlaub
- Übergangszeiten - beim Wechsel zwischen Betreuungskräften
Vorteile der Kombinationslösung:
Für den Pflegebedürftigen:
- Abwechslung: Verschiedene Bezugspersonen
- Spezialisierung: Jeder Betreuer bringt andere Stärken mit
- Kontinuität: Keine Betreuungslücken
- Individualität: Anpassung an schwankende Bedürfnisse
Für die Familie:
- Flexibilität: Je nach Familiensituation anpassbar
- Qualitätssteigerung: Professionelle + persönliche Betreuung
- Entlastung: Weniger Koordinationsaufwand als reine Eigenorganisation
